"Vollwertige Ernährung" - Ernährungskonzept in den Wohnstätten

Auszug aus dem Leitbild und Ernährungskonzept der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen:

... Wir bieten Menschen  mit  geistiger Behinderung bis ins hohe Alter, ein ihren indivi­duellen Bedürfnissen angepasstes Zuhause und halten hierfür differenzierte Wohn­angebote vor. Den bei uns lebenden BewohnerInnen bieten wir ein ganzheitliches Betreuungskonzept mit gesunder Vollwerternährung ...

Das ganzheitliche Betreuungskonzept soll MitarbeiterInnen, BewohnerInnen und Angehörigen auch Informationen über das vollwertige Ernährungskonzept in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen bieten. Den MitarbeiterInnen der Wohneinrichtungen dient diese Konzeption darüber hinaus als Vorgabe und Orientierung in der täglichen Betreuungstätigkeit.

Mit der Eröffnung der ersten Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen im Jahre 1982 in Hattingen, ist die Erhaltung und Förderung der Gesundheit der hier lebenden Menschen ein zentrales Anliegen der ganzheitlichen Betreuung.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür bildete in dieser ersten Wohneinrichtung der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen, das Angebot einer vollwertigen Ernährung auf der Grundlage der Erkenntnisse und Erfahrungen der beiden Ärzte Kollath/Bruker. Sie haben nachgewiesen, dass es sich bei sehr vielen der heutigen Krankheiten um ernährungsbedingte Erkrankungen handelt (dazu gehören u. a. Darmträgheit, Gallensteine, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Rheuma, Arteriosklerose, Thrombose, der Herzinfarkt, bestimmte Krebsarten und bestimmte Erkrankungen des Nervensystems), deren Symptome sich oft leider erst mit einer bis zu 20jährigen Verspätung zeigen. In der von ihm Jahrzehnte lang mit großem Erfolg geleiteten Kur-Klinik Lahnhöhe war die Umstellung der täglichen Ernährungsgewohnheiten der Patienten hin auf eine vollwertige Ernährung zentraler Bestandteil jeder Behandlung.

Diese Erkenntnisse und die regelmäßig wiederkehrende Thematisierung immer neuer "Lebensmittelskandale", sowie das Wissen um die zweifelhafte Qualität der für den Verkauf industriell produzierten Nahrungsmittel waren Gründe genug, die Gesunderhaltung der BewohnerInnen durch vollwertige Ernährung zu einem Eckpfeiler der damaligen Wohnstättenkonzeption der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen zu machen.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das 1982 eingeführte Ernährungskonzept zu einem integralen Baustein der Betreuungskonzeption und wird mittlerweile von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern geschätzt und zunehmend von anderen Organisationen der Behindertenhilfe wahrgenommen.

Wie für viele Bereiche im Alltag gilt auch für den Bereich der Ernährung, dass die Betreuer stets die Bedürfnisse der BewohnerInnen nach Eigenverantwortlichkeit zu berücksichtigen haben und Möglichkeiten der Selbstbestimmung eröffnen  sollen, um ihre Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung zu fördern.

Die Schaffung selbständigerer Wohnformen und der Auszug von BewohnerInnen in das ambulant betreute Wohnen, aber auch und gerade die Wahl von Heimbeiräten und den mit der Heimmitwirkungsverordnung gegebenen Möglichkeiten der Mitgestaltung des Wohnstättenalltags durch die BewohnerInnen führten dazu, dass einzelne Teile des mittlerweile traditionellen Ernährungskonzepts immer wieder Anlass zu Diskussionen boten und nicht mehr unwidersprochen hingenommen wurden.

Verstärkt wurde diese Situation dadurch, dass sich das Ernährungskonzept in den verschiedenen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen im Laufe der Zeit in der Praxis zum Teil unterschiedlich weiterentwickelt hatte.

Aus diesen Gründen wurde das Ernährungskonzept im Rahmen der Qualitätssicherung und Qualitätsweiterentwicklung unter Mitwirkung von BewohnerInnen, Angehörigen und MitarbeiterInnen in seiner Grundaussage und Bedeutung für das Gesamtkonzept grundlegend diskutiert.

Diese bewusste Auseinandersetzung mit dem Ernährungsstandard der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen hat noch einmal deutlich gemacht, dass in der Vergangenheit mit der vollwertigen Ernährung in den Wohnstätten überwiegend positive Erfahrungen gemacht wurden, vor allem bei der Pflege alter und bettlägeriger BewohnerInnen. Der Zusammenhang und die Bedeutung der vollwertigen Ernährung für das Wohlbefinden und die Gesundheit werden inzwischen von keinem ernst zu nehmenden Ernährungswissenschaftler mehr in Frage gestellt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DEG) sieht es als ihr Ziel an, "ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln und die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch gezielte, wissenschaftlich fundierte und unabhängige Ernährungsaufklärung und Qualitätssicherung zu fördern". Sie hat auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Regeln für eine vollwertige Ernährung formuliert. Sie sollen helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen und zu trinken. 

Vollwert-Ernährung ist aktive Gesundheitsprophylaxe. Sie ist energiesparender und umweltschonender als die durchschnittliche Industriekost. Bei entsprechender Erfahrung und Kenntnis der für Einkauf und Zubereitung Verantwortlichen muss sie nicht teurer und wird ganz bestimmt schmackhafter sein als diese.  

Als leistungsstarke, moderne Organisation mit öffentlichen Aufgaben innerhalb der Behindertenhilfe im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen und als Elternvereinigung mit inhaltlichen historisch gewachsenen Überzeugungen, fühlen wir uns mit der Entwicklung die 1982 unter dem Motto „ganzheitliche Betreuung“ begonnen hat, mit den Aussagen der DEG bestätigt und in der Verbindung zwischen Tradition und Moderne im Einklang.  

An den Erkenntnissen und Erfahrungen von Kollath/Bruker sowie den Regeln für eine vollwertige Ernährung der DGE e. V. orientiert sich das Ernährungskonzept in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr / Hagen.

Das Konzept zum Thema „vollwertige Ernährung“ wurde unter Mitwirkung von BewohnerInnen, Angehörigen, Leitungskräften und MitarbeiterInnen neu erarbeitet. In dieser Form ist es im Gesamtkonzept der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen verankert. Es bleibt integraler Baustein der Betreuungsqualität und versteht sich als verbindlicher Teil unseres Leistungsangebots an die BewohnerInnen unserer Wohneinrichtungen und als verlässlicher Bestandteil der Leistungsvereinbarung mit dem Kostenträger.  

Das Konzept ist damit gleichzeitig handlungsorientierende Anweisung für die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen. Die Betreuer im Dienst tragen besondere Verantwortung für das leibliche Wohl der BewohnerInnen und nehmen aktiv Einfluss auf die Ernährung und auf die Essenskultur gemäß dem hier vorliegenden Konzept.

Die Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen unterscheidet sich aus traditionellem Bewusstsein und aufgrund medizinischer Erkenntnisse bewusst in ihrer gesundheitsbewussten Ausrichtung, in Verbindung mit einer gesunden, vollwertigen Ernährung, von anderen Organisationen.

Der ganzheitliche Ansatz im Bereich „Ernährung und Essenskultur“ beinhaltet neben den positiven gesundheitlichen und medizinischen Effekten, je nach individueller Fähigkeit des Bewohners, auch Hinführung zum wirtschaftlichen Denken, umweltbewusstes Handeln und persönliche Entwicklung. Die Anwendung des Ernährungskonzeptes erfordert einen bewussten Umgang von allen Beteiligten und bietet eine Standortbestimmung zum Leben in der Gemeinschaft.

Möchten Sie mehr über das besondere Ernährungskonzept unserer Lebenshilfe erfahren? Fragen Sie konkret zu diesem Thema nach Frau Marianne Schwichtenberg und Herrn Anton Sombetzki.

Wir informieren Sie gerne.

Rainer Bücher
Geschäftsführer

Stiftung Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen

Spendenkonto:
Stiftung Lebenshilfe
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