BeWo das Betreute Wohnen

Konzeption des ambulant betreuten Wohnens der Lebenshilfe im Ennepe-Ruhr-Kreis und in der  Stadt Hagen

Betreutes Wohnen:

  • Für Menschen mit Behinderung, die eine umfassende Betreuung in einer Wohnstätte nicht oder noch nicht benötigen.
  • Für Menschen mit Behinderung, die möglichst eigenständig in der eigenen, selbst angemieteten Wohnung leben möchten.
  • Für Menschen mit Behinderung, die durch berufserfahrene Mitarbeiter in der Wohnung begleitet werden und so Unterstützung und Sicherheit in der Bewältigung des Alltags erfahren.

Das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung wurde erst vor wenigen Jahren etabliert. Die Idee dabei ist, dass Menschen mit geistiger Behinderung mit geringem Hilfebedarf ihr Leben in einer eigenen Wohnung oder in einer kleineren Wohngemeinschaft ihren eigenen Möglichkeiten entsprechend, mit einem Mindestaufwand an Betreuung, selbständig führen.

Seit einigen Jahren ist es erklärtes Ziel der Behindertenhilfe, ein vielfältiges Wohnangebot bereit zu halten, um den Anspruch nach Normalität, Individualität und Integration von Menschen mit geistiger Behinderung einzulösen. Die Kostenträger Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland verfolgen dabei auch das Ziel, die Kosten für die Betreuung in Wohnstätten nicht weiter steigen zu lassen. Ein Wohnplatz und die Betreuung in einer Wohnstätte sind kostenintensiver als in einer ambulant betreuten Wohnform. Das Angebot des ambulant betreuten Wohnens richtet sich nach diesem Grundverständnis an alle Menschen mit Behinderungen, die nicht oder noch nicht auf eine stationäre Betreuung angewiesen sind. Das betreute Wohnen ist rechtlich eine ambulante Form der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen gemäß § 38/40 des Bundessozialhilfegesetzes. Es handelt sich um eine ambulante Betreuung in einer privaten Wohnsituation in Einzel- oder Paarwohnen, oder auch in einer kleineren Wohngemeinschaft.

Der Wohnraum für das ambulant betreute Wohnen soll in der Nähe zu unseren Wohnstätten, Beratungsstellen und Freizeitangeboten in Sprockhövel, Gevelsberg, Ennepetal, Hagen und Schwelm angeboten werden. Diese nahe Anbindung an eine Wohnstätte, eine Beratungsstelle oder unsere Freizeitangebote ist gewollt und ist wichtiger Bestandteil dieses Konzepts. Die Bewohner können auf Wunsch und in Absprache an den Freizeit- und Informationsangeboten der jeweiligen Region teilnehmen. Das Bewusstsein, durch die nahe liegende Wohnstätte oder Beratungsstelle Unterstützung erhalten zu können, erhöht bei den potentiellen Bewohner im ambulant betreuten Wohnen das emotionale Sicherheitsgefühl. Dem Problem einer eventuellen Vereinsamung in der eigenen Wohnung wird hierdurch ebenfalls nachhaltig vorgebeugt.

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Die Bewohner

Im ambulant betreuten Wohnen begleiten wir Menschen mit geistiger Behinderung die diese Hilfeform wünschen und gemäß des Hilfeplanverfahren des LWL oder LVR in Verbindung mit den §§ 39 ff BSHG zum anspruchsberechtigten Personenkreis gehören. Diese Personen sollen in der Lage sein, die lebenspraktischen und grundsätzlichen Dinge des täglichen Lebens mit einem geringen Maß an Unterstützung selbständig zu regeln. Sie können die Hilfen vorübergehend, für längere Zeitabschnitte oder aber auf Dauer in Anspruch nehmen.

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Inhalte unserer Betreuung

Das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung beinhaltet direkte und unmittelbare Betreuungsaufgaben. Die Art und der Umfang unserer Hilfen erstrecken sich von gelegentlichen Hilfestellungen bis hin zu umfassender Planung, Organisation und Begleitung der Bewohner in den verschiedensten Lebensbereichen. Wir bieten eine individuelle Wohnberatung für Eltern, Angehörige und gesetzliche Betreuer an.

Die Leistungen können Begleitung, Beratung und Anleitung u.a. in folgenden Bereichen umfassen:

 

  • Wohnen/Haushaltsführung
  • Unterstützung beim Umgang mit Geld
  • Ernährungsberatung und Unterstützung bei der Zubereitung von Mahlzeiten
  • Unterstützung bei der Tagesstruktur/im Freizeitbereich und Urlaub
  • Schule/Ausbildung/Arbeit
  • Beschaffung oder Erhalt einer Wohnung
  • Förderung der Selbständigkeit
  • Unterstützung bei der Aufnahme und Gestaltung sozialer Kontakte
  • Gespräche im sozialen Umfeld des Bewohners
  • Koordination der Gesamtplanung und Begleitung bei Ämtergängen
  • Beobachtung des gesundheitlichen Befindens

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Aufnahmekriterien

In 2003 wurde die Zuständigkeit für die Bewilligung des ambulant betreuten Wohnens von den Kommunen an die überörtlichen Kostenträger LWL und LVR übertragen. Der LWL/LVR klärt seit diesem Zeitpunkt in einem s.g. "Clearing-Verfahren" nach Antragstellung, ob ein Mensch mit geistiger Behinderung ein Wohnangebot in einer Wohnstätte oder Unterstützung beim Leben in einer eigenen Wohnung benötigt.

Im Vorfeld dieses Clearing-Verfahrens bietet die Lebenshilfe Menschen mit geistiger Behinderung und deren Angehörigen eine entsprechende Wohnberatung zur Klärung des individuellen Unterstützungsbedarfes an. Im Clearing-Verfahren wird auch aufgrund dieser Vorinformationen der Hilfebedarf definiert und für die Betreuung so genannte "Fachleistungsstunden" bewilligt.

Die Anzahl der bewilligten Fachleistungsstunden soll den Hilfebedarf des Bewohners im ambulant betreuten Wohnen vollständig decken. 

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Betreuung

Bei den Betreuungsaufgaben geht es vorrangig um Kontrolle und ggf. Bearbeitung der Finanzen/der täglichen Post, um die Organisation und Begleitung von Amts-/Arztbesuchen, um die Planung und Organisation des Haushaltes und ggf. Begleitung bei Einkäufen.

Bestandteile der Betreuung können sein: Planung und Durchführung von Einzel- und Gruppengesprächen, regelmäßige Bewohnertreffen, Elternarbeit, Organisation und Begleitung von Weiterbildungen (Kochkurs, Tanzkurs etc.). Organisation und ggf. Begleitung bei Freizeitaktivitäten, Hilfen und Begleitung in der Einzugsphase sowie Verwaltungsarbeiten.

Die gesamten Betreuungsaufgaben finden in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, Angehörigen oder gesetzlichen Betreuern statt.

Das pädagogische Prinzip beruht im ambulant betreuten Wohnen bei der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen auf der Grundlage "So wenig Hilfe wie möglich, aber so viel Unterstützung wie nötig".

Dabei ist es uns besonders wichtig, im Sinne einer Gesamtverantwortung, die regelmäßige Verbindung zu den Bewohnern zu behalten und gleichzeitig nicht aufdringlich zu sein. Die Betreuung sollte auf einer gegenseitigen Vertrauensgrundlage basieren. Der Betreuer kann für den Bewohner Ansprechpartner, Vertrauensperson, guter Freund, Autoritätsperson und Berater in einer Person sein.

Die Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen bietet als Anbieter des ambulant betreuten Wohnens jedem Bewohner individuelle Hilfe an. Im Bedarfsfall müssen auch andere Institutionen eingeschaltet werden.

 

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Mitarbeiter und Sachmittel

Die Arbeit im ambulant betreuten Wohnen erfordert vom Personal ein hohes Maß an fachlicher und persönlicher Kompetenz. Insbesondere steht in der pädagogischen Betreuung die mehrjährige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung im Vordergrund. Der Einsatz des Personals umfasst die Beschäftigung von hauptamtlichen MitarbeiterInnen in Voll- und Teilzeitbeschäftigung und von geringfügig Beschäftigten.

Der Personalbedarf richtet sich nach den erforderlichen Betreuungszeiten, die durch den Kostenträger in Form von Fachleistungsstunden in Bewilligungsbescheiden festgelegt werden.

 

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Ausblick und Ziel

Ziel in der Arbeit im ambulant betreuten Wohnen ist es, die Bewohner so selbständig und selbstbestimmt wie möglich leben zu lassen. Im Laufe der Zeit muss versucht werden, ihnen nach und nach immer mehr Eigenverantwortlichkeit zuzugestehen. Grenzen müssen aber auch hier früh genug professionell erkannt und akzeptiert werden. Es darf nicht vergessen werden, dass wir es auch im ambulant betreuten Wohnen mit Menschen mit geistiger Behinderung zu tun haben, die zu einem großen Teil ohne Hilfen von außerhalb nicht auskommen werden. Die Durchlässigkeit von stationären zu ambulanten Hilfeangeboten werden daher bei der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen auch umgekehrt wirksam werden, um eine kontinuierliche Betreuung und gesicherte Unterstützung bis ins hohe Alter zu gewährleisten.

 

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Stiftung Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen

Spendenkonto:
Stiftung Lebenshilfe
Sparkasse Schwelm
IBAN: DE98 4545 1555 0000 0333 32